Viele hundert Witwen, die ihre Männer im Krieg oder durch Krankheiten verloren haben, müssen mit ihren Kindern unter oft menschenunwürdigen Bedingungen wohnen. Sie leben in Hütten, die kaum noch Schutz vor Nässe bieten, in einem einzigen nur wenige m² großen Raum, in dem auf offenem Feuer gekocht wird und in dem sich die ganze Familie eine einzige, auf dem Lehmboden aufgelegte Matte, als Schlafstelle teilt. Schon bei meinen ersten Besuchen hat mich der Pfarrer unserer Partnerpfarre, Pater Jacques, ersucht zu helfen, diese unzumutbaren, menschenunwürdigen Zustände zu beseitigen. Gemeinsam haben wir beschlossen, Witwen, die zu ihren eigenen Kindern auch noch Waisenkinder aufnehmen, ein neues einfaches Häuschen mit einem festen Dach und mehreren Räumen zu bauen. Auch kleine Nebengebäude für WC, Waschgelegenheit und Küche waren vorgesehen. Die Familien sollten von der jeweiligen Hügelgemeinschaft gemeinsam mit dem Pfarrer ausgewählt werden, wobei nicht nur auf den Bauzustand der Hütte geachtet werden darf, sondern vielmehr darauf, dass die Waisenkinder, die in die künftige Familie aufgenommen werden, auch wirklich liebevoll umsorgt und integriert werden.

Mit großer Freude durften wir nun feststellen, dass die bisher gebauten Häuser, es sind mittlerweile 241 davon errichtet worden, größtenteils schon mit einfachem Mobiliar, mit Tischen, Bänken, Regalen, Bettgestellen, etc. ausgestattet sind. Sie alle wurden in unserer Lehrwerkstätte hergestellt. Auch die geplanten kleinen Nebengebäude sind vielfach schon fertiggestellt und in Betrieb. Damit ist eine enorme Verbesserung der Lebensqualität für die gesamte Familie gelungen, besonders aber für die Waisenkinder, die nun unter liebevoller Obhut einer Mutter gemeinsam mit den anderen Kindern heranwachsen dürfen und somit doch noch eine relativ unbeschwerte Kindheit, fern von der Straße, erleben dürfen.

So sehr wir uns über die vielen Familien freuen, die nun in einem neuen Haus wohnen dürfen, so sehr plagt uns doch auch das Los so vieler Witwen und Waisenkinder, die uns Pater Jacques wiederum so dringend ans Herz gelegt hat. Denn wenn der Bürgerkrieg nun auch zu Ende ist und viele Kriegswaisen schon erwachsen sind, so machen Mangelernährung, Krankheiten, wie Marlaria und Aids und schließlich der Tod, auch heute nicht halt vor den Hütten so Vieler und die Zahl verarmter, verelendeter Witwen und Waisenkinder wächst ständig nach, zumal es keinerlei Versorgung vom Staat für sie gibt.

Ich weiß natürlich, dass es unmöglich ist, allen Menschen in dieser riesigen Pfarrgemeinde gleichzeitig zu helfen. Wenn bisher dennoch 241 Häuser gebaut werden konnten, von denen eines immerhin € 1 000,– kostet, so ist dies nur mit Ihrer aller Hilfe möglich gewesen, für die ich unendlich dankbar bin und auf die ich auch weiterhin zu hoffen wage.

Glücklicherweise setzt sich unser Freund, Anton Kiebacher, aus Südtirol ebenso voll Eifer für dieses Projekt ein. Obwohl er schon viele unserer Vorhaben wie den Bau von Kirchen, Schulen, eines Behindertenzentrums, etc. auch ganz persönlich unterstützt hat, ist ihm dieses Projekt „Neue Häuser für Witwen und Waisenkinder“ ein Herzensanliegen. Landauf, landab versucht er in Gesprächen, Vorträgen, mit Bildern und Filmen die Herzen der Südtiroler für dieses Vorhaben zu gewinnen. Durch diese Initiativen und natürlich durch die Spenden so Vieler dürfen sich schon 38 Familien mit vielen, vielen Kindern über die neuen Wohnhäuser aus Südtirol freuen. Sie alle, für die nun das neue Wohnhaus einen Quantensprung in ihrer Lebensqualität bedeutet und auch der Pfarrer, Pater Jacques, versichern immer wieder, nie aufhören zu wollen, alle ihre Wohltäter in Südtirol und auch hier bei uns dankbar in ihr tägliches Beten einzuschließen.

(c) 2009-2010  Redaktion Jacki Weitlaner & Karl Paar